Immer wieder geraten Überfälle auf Tankstellen in die Schlagzeilen. Die Branche handelt erfolgreich dagegen. 

 

Selbst wenn Personal und Kunden bei Überfällen auf Tankstellen selten verletzt werden: Der Schock sitzt oft tief.

Am häufigsten drohen die Täter mit Schusswaffen, in einem geringeren Mass auch mit Stichwaffen. Täterinnen gibt es kaum welche.

Es ist allgemein bekannt, dass Tankstellenkassen relativ geringe Beträge enthalten. Die Täter sind daher meistens Personen, die schnell Geld brauchen, etwa Drogenabhängige.

Viele Überfälle ereignen sich bei Dunkelheit. Die Zürcher Polizei verzeichnet auf Kantonsgebiet bis 20 Überfälle pro Jahr. 80 % davon passieren gegen Ladenschluss.

Laut Pierre-Louis Rochaix, Sprecher der Neuenburger Polizei, ist es logisch, dass sich die meisten Überfalle morgens oder abends ereignen, denn es hat zu diesem Zeitpunkt weniger Leute in den Läden. Die Täter spähen bei Dunkelheit aus, ob sich noch Kunden im Geschäft aufhalten.

Kriminaltourismus und Tankstellen

Gemäss Schweizer Kriminalstatistik weisen die Kantone Basel-Stadt (113,5), Genf (102,8) und Neuenburg (65,8) die höchste Anzahl Straftaten auf 1000 Einwohner aus. Petrosphäre hat bei diesen drei Kantonen nachgefragt. 

Gemäss Basler Kantonspolizei stellen Überfälle auf Tankstellen «keinen besonderen Schwerpunkt in der Basler Polizeiarbeit» dar. Ein Sprecher erklärt: «Als Stadtkanton hat Basel-Stadt im Vergleich mit anderen Kantonen weniger Tankstellen, die sich durch ihre Lage und die erweiterten Öffnungszeiten als Ziel eines Überfalls anbieten würden.» 

Im Grenzkanton Genf sieht die Lage anders aus. Hier scheint im Gegensatz zu Basel die Nähe zur Grenze zu einer erhöhten Tankstellenkriminalität beizutragen, wie dies die hohe Anzahl von Tätern aus Frankreich belegt. Die Nationalität der Täter lässt sich folgendermassen aufteilen:

  • 30 % Schweizer
  • 30 % Franzosen
  • 10 % Rumänen
  • 6 % Kosovaren
  • 24 % andere

Die Genfer Polizei verzeichnete zwischen 2011 und 2017 56 Überfälle mit Einsatz von Waffen und 26 ohne. Es haben sich aber deutlich weniger Überfälle als Sachbeschädigungen und Diebstahl ereignet.

Laut dem Kommunikationsbeauftragten Silvain Guillaume-Gentil nimmt die Tankstellenkriminalität in Genf seit 2011 ab. Die Polizei kann einen Drittel der Fälle klären.

Im Kanton Neuenburg lässt sich ein Zusammenhang zwischen Grenze und Tankstellenkriminalität nicht bestätigen. Der Sprecher der Neuenburger Polizei kommentiert: «Seit zehn Jahren wurden auf dem Kantonsgebiet 13 Überfälle auf Tankstellen verzeichnet. Sechs wurden geklärt. In den meisten Fällen wohnen die Täter im Kanton Neuenburg.»

Vorkehrungen gegen Überfälle

Die Erdölbranche ergreift verschiedene Massnahmen gegen Überfälle. Dazu gehört beispielsweise die fernbediente Steuerung der Eingangstüre. Die meisten Tankstellen verfügen zudem über umfassende Videoüberwachungssysteme. Diese sind bei Fahndungen besonders wirksam.

Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit SecurePost AG profitieren Tankstellen von einer überfallsicheren Tresorlösung: Dank einem Panzer ist das abgegebene Geld weder für die Mitarbeitenden noch für die Verbrecher nach der Einzahlung zugänglich.

SecurePost AG hat gegenüber Petrosphäre bestätigt, dass diese Sicherheitslösung in vielen grösseren Tankstellen und Shops umgesetzt ist. Die Erfahrung zeige, dass keine Überfälle in den Tankstellenshops mehr stattfinden, die diese Art der Geldabgabe und -abholung eingeführt haben.

Schlüsselrolle des Personals

Die technischen Massnahmen werden ergänzt durch Personalschulungen. So können die Angestellten im Ereignisfall richtig reagieren.

Das Personal spielt eine Schlüsselrolle bei der Sicherheit: Es ist auch angewiesen, der Polizei verdächtiges Verhalten zu melden.

Da trotz allen Vorkehrungen Überfälle immer noch vorkommen können, empfiehlt die Polizei Folgendes:

  • Zeugen eines Überfalls bringen sich in Sicherheit und alarmieren sofort über die Notfallnummer 117.
  • Personal und Zeugen warten vor Ort bis zur Ankunft der Polizei ab.
  • Tankstellenbetreiber setzen Videokameras mit guter Auflösung ein und kündigen diese Überwachung prominent an.
  • Angestellte sollten gegen Ladenschluss nicht allein sein und der Umgebung besondere Aufmerksamkeit schenken.
  • Alarmknöpfe müssen gut erreichbar und unauffällig bedienbar sein.
  • Tankstellenbetreiber sorgen für eine hindernisfreie Spurensicherung und stellen Videoaufnahmen möglichst schnell bereit.

Auch wenn die Zahl der Überfälle auf Tankstellen tendenziell rückläufig ist, ist jedes Ereignis eines zu viel.

Um Überfälle wirksamer zu bekämpfen, müssen sie noch besser erfasst werden. Die Bereitstellung einer themenspezifischen Statistik durch das Bundesamt für Statistik und die Polizei ist in dieser Hinsicht zu begrüssen.

 

Eine neue pdfErhebung des Bundesamts für Statistik gibt Aufschluss über die Entwicklung der Tankstellenkriminalität.

Im Vergleich zum Jahr 2009 sank 2017 die Zahl der Überfälle auf Tankstellen um knapp 30%. Raub mit Gewalt nimmt bei Tankstellen in der Schweiz ab, aber langsamer
als der generelle Trend bei den Überfällen (–50,5%).

Die Zahl der Überfälle auf Tankstellen, Benzinverteiler, Garagen- und Autoanlagen erreichte 2015 mit 85 Überfällen vorerst ein Minimum. 2009 waren noch 130 Raubüberfälle an Tankstellen verzeichnet worden.

Damals ereigneten sich in der Schweiz insgesamt 3530 Überfälle. 2017 sank deren Anzahl auf 1746, davon waren noch 93 Tankstellen betroffen. Der Anteil der Überfälle auf Tankstellen am Total stieg damit von 3,7% im Jahr 2009 auf 5,3% im Jahr 2017.

Ein Vergleich zeigt, dass zum Beispiel Überfälle auf Schmuckgeschäfte ebenfalls abnehmen. Der Rückgang beträgt fast 50%, von 39 Fällen im Jahr 2009 auf 20 im Jahr 2017. Bei den Banken stieg die Anzahl Überfälle von 33 im Jahr 2009 auf 43 im Jahr 2016. 2017 gab es hingegen nur 13 Ereignisse in dieser Branche.

 

 

Weitere Informationen

 

Präventionsratschläge im Bereich der Überfälle und Raubdelikte

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