Ölnachfrage: Anzeichen einer Erholung.

Wie stark die Ölnachfrage mit der Coronakrise genau eingebrochen ist, lässt sich bisher noch immer nicht exakt beziffern. Laut dem letzten IEA Monatsreport soll der Bedarf im Jahresvergleich im April allerdings um 25,2 Mio. B/T gesunken sein und im Mai noch 21,5 Mio. B/T unter Vorjahresniveau liegen. Im Juni werden 13,0 Mio. B/T weniger als im Juni 2019 benötigt. Der Trend zeigt also nach oben und es gibt weitere Anzeichen, dass der Ölbedarf wieder ansteigt.

So soll einer der größten Ölhändler, Trafigura, alleine zwischen dem 13. und 21 Mai 15 Cargos (600.000 Barrel) Nordsee-Rohöl gekauft haben, was sich insgesamt auf etwa 9 Mio. Barrel beläuft. Auch in den USA verbrauchen die Raffinerien wieder mehr Rohöl. Via Pipelines aus Cushing ist der Durchsatz um 400.000 B/T im Vergleich zu Anfang April gestiegen, berichten die Experten von Genscape.

Ein weiteres Indiz für eine Erholung der Ölnachfrage ist der Abbau von schwimmenden Lagern. Durch die knappen Verfügbarkeiten an Land wurden Öl und Ölprodukte zunehmend auf Tankern eingelagert – eine recht teure Lagervariante. Die weltweiten Lagerbestände werden nicht gleichmässig erfasst und gemeldet, sodass man diese nur schätzen kann. Die Hochrechnung der Firma Vortexa geht davon aus, dass die schwimmenden Lagerbestände an Rohöl, Diesel, Benzin und Kerosin am 21. Mai auf 258 Mio. Barrel gesunken sind – ein Rückgang von etwa 7% vom Höchststand bei über 277 Mio. Barrel, der am 14. Mai erreicht worden sei.

In der Kombination mit den umfangreichen Produktionskürzungen der OPEC+ Gruppe von 9,7 Mio. B/T, zusätzlichen freiwilligen Kürzungen von Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinten Arabischen Emiraten sowie den Drosselungen anderer Produzenten, insbesondere in den US-Schieferölgebieten, scheint nun genügend Öl vom Markt genommen worden zu sein, dass die Überversorgung gestoppt wurde.

Gerade im Bereich von Kerosin muss man mit einer noch langen Durststrecke rechnen. Raffinerien könnten laut Analyst Giovanni Staunovo, von der UBS, zudem weiter Probleme bekommen. Die Preise für Treibstoffe haben sich nicht so deutlich erholt wie der von Rohöl. Die Margen der Raffinerien sind damit reduziert und könnten deren Bereitschaft Öl zu kaufen reduzieren. Auch bleibt noch immer die Gefahr einer zweiten Infektionswelle mit dem Coronavirus. Neue Lockdowns wären das Ergebnis und würden die Preise wohl sehr schnell auf sehr niedrige Niveaus fallen lassen. Das wisse auch der Markt, so die Warnung von Analystin Paola Rodriguez Masiu, von Rystad Energy.

Das momentane Gleichgewicht bleibt daher fragil und lebt vom Optimismus der Marktteilnehmer. Dieser wiederum ist von einer positiven Berichterstattung zur Nachfrageentwicklung von den umfangreichen Produktionskürzungen abhängig.

Quellmaterial: Futures-Services Mineralöldienst

25.05.2020

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.