Analysten korrigieren Preisprognosen – US-Ölproduktion zieht an.

In der vergangenen Woche haben viele Analysten davor gewarnt, dass der Preisanstieg der letzten Wochen zu stark gewesen sei und die fundamentale Lage dies nicht rechtfertigte. Die Rekordkürzungen der OPEC+ Gruppe sah man als Anlass für eine gewisse Euphorie an den Ölbörsen, während man die schlimmsten Nachfragetiefs bereits hinter sich lassen konnte.

Die schlechten Margen bei Gasoil beispielsweise zeigen aber noch immer die Probleme, vor denen der Markt steht. Die Rallye basiert vor allem auf der Erwartung einer günstigen Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte. Experten bei Barclays sehen für das dritte Quartal lediglich Durchschnittspreise von 37 Dollar (Brent) und 34 Dollar (WTI). Ähnlich äusserten sich zuvor auch Analysten von Goldman Sachs und andere Analysten.

Die IEA hat ihre Preisprognosen zwar deutlich nach oben korrigiert, aber auch hier sieht man die Durchschnittspreise für Brent und WTI im kommenden Quartal bei 36,65 bzw. 34,57 Dollar. Mit der Abwärtsbewegung von Donnerstag vergangener Woche wurden diese Niveaus nun schon fast wieder erreicht, allerdings wird sich am Markt erst im Laufe des kommenden Quartals ein richtiges Angebotsdefizit einstellen. Dann werden die Preisniveaus fester sein. Bis zum Erreichen der ausgerufenen Durchschnittspreise dürfte noch Abwärtspotenziale vorhanden sein. Marktteilnehmer warten nun auf die Monatsberichte von IEA und OPEC, die im Laufe dieser Woche auf der Agenda stehen.

Zudem breiten sich momentan Sorgen einer zweiten Infektionswelle aus, nachdem viele Länder Lockerungen von ihren Ausgangsbeschränkungen vorgenommen haben. In Florida und Texas wurden am Wochenende neue Rekordhochs bei den Zahlen zu Neuinfektionen beobachtet. «Die Besorgnis über den jüngsten Anstieg der Covid-19-Infektionen in den USA und eine mögliche zweite Welle belastet derzeit die Ölpreise», so Analyst Stephen Innes, von AxiCorp.

Analyst Vivek Dhar von der Commonwealth Bank of Australia verweist auf China. «Wenn China einen Rückschlag wie eine zweite Infektionswelle erleidet, besteht die Befürchtung, dass auch der Rest der Welt eine weitere Welle erleben wird. Die Angebotskürzungen waren aggressiv, aber während man sich auf die 40 Dollar bei Brent zubewegt, beginnt das Angebot in der US-Schieferölindustrie möglicherweise wieder zu steigen.» Es gibt bereits erste Anzeichen, dass die US-Ölproduktion tatsächlich wieder zunehmen wird, nachdem die Ölpreise deutlich über die 30 Dollar-Marke geklettert sind.

Quellmaterial: Futures-Services Mineralöldienst

15.06.2020

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