Covid-19: Aufwärtspotenzial an den Ölbörsen weiter begrenzt. Analysten rechnen mit «schwierigem» Juli.

Die IEA hat ihre Nachfrageprognose nach oben korrigiert. Die Nachfrage hatte sich nach den Lockdowns schneller erholt als es die Experten erwartet hatten, was mit der frühen und umfangreichen Lockerung der Massnahmen zur Eindämmung des Virus zu tun hat.

Nach dem deutlichen Anstieg der Nachfrage dürfte sich diese Entwicklung nun etwas verlangsamen. Der positive Effekt auf die Nachfrage war mit den ersten Schritten aus den Lockdowns heraus am grössten und nimmt nun ab. Dennoch plant die OPEC+ Gruppe offenbar den geplanten Mechanismus zur Steigerung der Ölproduktion in Gang zu setzen. Mit August könnte die Ölproduktion der Gruppe um bis zu 2 Mio. B/T zunehmen. Einige Länder wie Angola, Irak und Nigeria werden ihre Förderung aber nur wenig steigern können, da diese Länder die Produktionskürzungen zuvor nicht eingehalten hatten. Sie müssen dies nun durch eine stärkere Kürzung kompensieren.

Libyens Pläne, die Ölexporte wieder zu steigern, sind vorerst wieder vom Tisch. Zwar wurde am Freitag ein Öltanker am Es Sider Terminal mit 730.000 Barrel Rohöl beladen. Doch die Truppen um General Khalifa Haftar haben weitere Exporte untersagt und die libyschen Ölanlagen blockiert.

Dafür bleibt Covid-19 im Fokus. Die Infektionszahlen blieben am Wochenende hoch. Vor allem die USA bleiben im Fokus. Dort gelingt es kaum, die Ausbreitung zu kontrollieren. Einige Staaten setzen die Pläne für weitere Lockerungen aus. In Australien wurde für Melbourne, die zweitgrösste Stadt des Landes, ein kompletter Lockdown verhängt. Dieses Beispiel zeigt, wie drastisch die Massnahmen ausfallen können, wenn die Länder Covid-19 nicht unter Kontrolle bekommen.

Analyst Robbie Fraser von Schneider Electric geht davon aus, dass die steigende Zahl an Covid-19-Fälle in den USA und anderen Regionen die Nachfrageerholung untergraben könnten. Der Juli könnte ein schwieriger Monat für Öl werden, da das Aufflammen der weltweiten Coronainfektionen den Fokus des Marktes wieder auf das Risiko auf der Nachfrageseite legt, so Stephen Innes, von AxiCorp. «Die geplante Lockerung der OPEC+ Produktionskürzungen im nächsten Monat [...] und eine mögliche Erholung der US-Ölproduktion könnten den Druck auf der Angebotsseite erhöhen», so Innes.

Unter diesem Eindruck dürfte das Aufwärtspotenzial an den Ölbörsen weiter begrenzt sein, auch wenn Libyens Restart der Ölproduktion und Exporte fehlgeschlagen ist.

Quellmaterial: Futures-Services Mineralöldienst

13.07.2020, die nächste Wochenvorschau erscheint am 3. August

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